Expertenmeinung
Frankreichs Schulden wachsen, die Politik ist blockiert und zeigt keinen Lösungswillen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt: "Es ist eine kritische Situation." Die Schuldenquote liegt etwa doppelt so hoch wie Deutschlands. Defizite von gut fünf Prozent treiben sie weiter. Italien senkt dagegen sein Defizit. Deutschland hatt nach der Finanzkrise gut reagiert und Schulden abgebaut - Frankreich nicht. Krämer lobt insofern die deutsche Schuldenbremse. Doch die so genannten Sondervermögen hebeln nun die Schuldenbremse faktisch aus. Auch die alte Eurokrise ist nicht ausgestanden: "Die Ursachen der Staatsschuldenkrise sind in der Breite nicht gelöst." Draghis "Whatever it takes" beruhigte einst die Märkte. Jetzt steigt mit jedem Monat politischer Untätigkeit das Krisenrisiko. Eine neue Staatsschuldenkrise ist aber nicht Krämers Hauptszenario. Kippt das Vertrauen, erwartet er zunächst Signale der EZB, später möglicherweise Anleihekäufe. Eine Zentralbank habe "unendlich tiefe Taschen". Das dürfte wirken, birgt aber Risiken für Wachstum und Inflation. Frankreich brauche einen glaubwürdigen Plan gegen seine Defizite.