Kursindikationen von der Deutschen Bank in Zusammenarbeit mit boerse-social.com

Ubers Börsengang

Ein Gastbeitrag von Stephen Benoit

Der Börsengang von Uber gleicht einer 90-Milliarden Wette und sorgt zudem für eine Imagekrise im Silicon Valley. Vor einigen Monaten war es so weit. Die Spannung bei Anlegern und Händlern war groß wie nie. Doch Ubers Börsengang enttäuschte. Der Fahrdienstvermittler brachte zunächst nur hohe Verluste. Der Chef Dara Khosrowshahi von Uber klatschte noch voller Freude, als an der New Yorker Börse die Glocken klangen. Doch das Lachen dürfte ihm schnell vergangen sein. Beim Debüt startete die Aktie an der Nasdaq mit 42 Dollar. Sie lag mehr als 6 Prozent unter dem Ausgabepreis von 45 Dollar. Dabei wurde der Ausgabewert schon am unteren Ende der Preisspanne (44 – 50 Dollar) festgelegt.

Die Marktkapitalisierung betrug fast 80 Milliarden Dollar. Im Vergleich ist der Fahrdienstleister, der nun über 10 Jahre am Markt ist, so viel Wert wie der Autohersteller Volkswagen.
Interessant hierzu ist auch der Blick auf den Uber Konkurrenten. Der Rivale Lyft hatte bereits im März 2019 einen Börsengang absolviert. Der Ausgabepreis betrug damals 72 Dollar. Seitdem ging es mit der Aktie bergab. Ende September 2019 lag der Wert der Lyft Aktie bei knapp 40 Dollar im weiteren Abwärtstrend. Bei Uber sieht es nicht anders aus. Sie lag Ende September 2019 bei 31,59 Dollar.

Unglücklicher Zeitpunkt

Einige Experten sprechen von einem ungünstigen Zeitpunkt beim Uber Börsengang. Besonders nach dem Börsendebüt von Lyft, sanken die Aussichten. So hatte Uber 2018 noch eine Bewertung von über 120 Milliarden Dollar.

In dem Jahr stiegen die Erlöse um 42 Prozent (im Jahresvergleich auf 11,3 Milliarden Dollar). In den letzten Quartalen geriet das Kerngeschäft allerdings ins Stocken. Nicht zu vergessen bleibt, das Uber weiterhin in tief-roten Zahlen steckt. 2018 konnte der Anbieter ein starkes Wachstum nur durch den Verkauf von Geschäftsanteilen vorweisen.

Milliardenverluste

Einige Monate nach dem Börsengang machte Uber Milliardenverluste. 5,2 Milliarden sind es im abgelaufenen Quartal. Die Zweifel an dem Geschäftsmodell werden immer größer. Vor allem die Bezahlung von Mitarbeitern mit Unternehmensanteilen führte zu einem großen Verlust. So betrugen die Aktienvergütungen nach dem Börsengang 3,9 Milliarden Dollar.

Aber auch die weiteren Zahlen enttäuschten. So stieg der Umsatz nur mäßig (ca. 14 Prozent, + 3,2 Milliarden Dollar). Die Kosten hingegen explodierten auf 8,6 Milliarden (147 Prozent mehr als im Vorjahr). Die Nutzeranzahl stieg nur leicht (93 auf 99 Millionen).

Positive Signale

Dennoch gab es auch positive Signale, als Uber in den deutschen Güterverkehr einstieg. Uber Freight lautet die neue Marke, mit denen der Dienstleister Kunden und Speditionen zusammenbringen will. Der Markt in Deutschland ist immerhin 90 Milliarden schwer. Allerdings sammeln sich auch weitere Startups in diesem Bereich (Cargoness, InstaFreight). Investoren bleiben also skeptisch.

Zum Autor: Stephen Benoit ist freiberuflicher Texter, langjähriger Befürworter alternativer Arbeitsvereinbarungen und der Gig Economy mit jahrelanger Erfahrung in der Arbeit außerhalb des üblichen Unternehmensumfelds.

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