Dienstag, 18.12.2018 14:34:18

Kursrekorde an der Börse - nur gute Stimmung oder auch Substanz?

Ein Gastbeitrag von Sebastian Munke

In den letzten Wochen knackte der DAX einen Rekordwert nach dem anderen und selbst kurze Pausen scheinen die Börseneuphorie kaum zu bremsen. Nicht viel anders sieht es in den USA aus, wo Enttäuschungen und Irritationen über die Politik von Donald Trump bisher nur wenig Negativ-Spuren an der Wallstreet hinterlassen haben.

"Die Hausse nährt die Hausse", lautet ein altes Börsensprichwort. Damit ist ein häufig zu beobachtendes Börsenverhalten gemeint: viele Akteure springen bei steigenden Kursen auf den fahrenden Zug auf, kaufen Aktien und treiben damit die Kurse noch weiter in die Höhe. Allerdings besteht dabei auch die Gefahr einer Blasenbildung. Wenn keine realen Daten den Kurs-Hype rechtfertigen, platzt irgendwann die Blase und es kommt zum Crash.

Europa – es gibt Grund für Optimismus

Begründete Entwicklung oder Blasenbildung - wie sind die derzeitigen Kursrekorde zu bewerten? Bezogen auf Europa bzw. den DAX lässt sich feststellen: es gibt tatsächlich Grund für Optimismus. Prägte noch zu Jahresbeginn Unsicherheit die Lage - resultierend aus der Handlungsunfähigkeit der EU, Brexit-Unwägbarkeiten, Euro-Sorgen und dem Erstarken von Populisten -, ist spätestens nach dem Wahlsieg Emanuel Macrons in Frankreich die Zuversicht zurück.

Europa scheint wieder zu sich zu finden und der Konjunktur-Himmel hat sich aufgehellt. Die Unternehmensgewinne sind gestiegen und EZB-Chef Mario Draghi hat aktuell von einer sich festigenden und verbreiternden wirtschaftlichen Erholung in der Euro-Zone gesprochen. Die Aussichten für dieses und das nächste Jahr stehen also nicht schlecht. Das zeigt sich auch in den Geschäftsklimaindizes, die als Frühindikatoren für die konjunkturelle Entwicklung dienen. Erst vor wenigen Tagen erreichte der vielbeachtete Ifo-Geschäftsklimaindex seinen Höchstwert seit der Wiedervereinigung.

Die Kurse werden auch durch die Geldpolitik der Euro-Notenbank getrieben. Die anhaltend niedrigen Zinsen verlängern den Anlagenotstand und lassen viel freie Liquidität an die Börse strömen. Solange die EZB keinen grundlegenden Kurswechsel vornimmt, dürfte sich daran wenig ändern. Eine Zinswende ist wohl frühestens 2018 zu erwarten. Ein restriktiverer geldpolitischer Kurs würde wahrscheinlich bremsend wirken.

Und die Stimmung in den USA?

Etwas verhaltener ist die Stimmungslage inzwischen in den USA. Hier blieben die Konjunkturdaten zuletzt unter den Erwartungen und wichtige Stimmungsindikatoren wie der ISM-Einkaufsmanagerindex zeigte sich nicht ganz so freudig. Dazu hat sicher auch die erratische Politik des neuen US-Präsidenten beigetragen, der die Umsetzung seiner großartigen Wahlversprechen nach wie vor schuldig bleibt. Dennoch ist die Konjunktur in den Vereinigten Staaten immer noch robust, so dass die Börsen-Aussichten trotz Trump nicht schlecht sind. Das meint zumindest die Deutsche Bank, die sowohl für Europa wie für die USA immer noch Kurspotentiale sieht. Kurzzeitige Kursrücksetzer könnten eine Gelegenheit zum Einstieg sein.


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne. Der Inhalt der Kolumne wird von Börsenradio nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der Börsenradio-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von Börsenradio ausdrücklich ausgeschlossen!



 
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