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Wie junge Gründer ganze Branchen aufmischen

Ein Gastbeitrag von Alejandro Quintana Martinez


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Die meisten deutschen Start-ups haben ihren Sitz in Berlin und dieser Trend hält bereits seit vielen Jahren an. Derzeit finden 16 Prozent aller Gründungen in der Hauptstadt statt. Das Rhein-Ruhr-Gebiet liegt mit knapp über 14 Prozent dicht dahinter, das Bundesland mit den meisten Unternehmensgründungen ist NRW. Wir haben bei uns kein Silicon Valley wie in Amerika, wo die Neuentwicklungen Schlag auf Schlag vom Band laufen. Doch jenseits und diesseits des Atlantiks sind es vor allem die digitalen und hybriden Geschäftsmodelle, die florieren. Daraus entsteht ein dauerhaft dynamisches Geschehen, mit dem Potenzial, ganze Branchen aufzumischen. In der Vergangenheit haben wir das bereits auf spektakuläre Weise erlebt.

So geraten Branchen mit neuen Erfindungen in Bewegung

Der Vitirover soll den Pestiziden den Garaus machen, so jedenfalls wünscht es sich der Franzose Arnaud de La Fourchardière. Bei dem smarten Gerät handelt es sich um einen Mähroboter für die Landwirtschaft, der es mit großen Flächen aufnimmt und Hindernisse überwinden kann. Er ist mit einer GPS-Steuerung ausgestattet und bewegt sich völlig autonom zum Beispiel durch Weinberge aber auch im Bahngleisbereich. Bis jetzt hat das Produkt keine großen Wellen geschlagen, könnte es aber in Zukunft! Die großen Pharmariesen erhalten für ihre Chemieprodukte ohnehin zunehmenden Gegenwind, doch die Landwirte müssen trotzdem ihre Waren produzieren. Es steht also zu erwarten, dass aufgrund dieser und ähnlicher Erfindungen ein allmählicher Umschwung eintritt.

Vom kleinen Start-up zum milliardenschweren Unternehmen

Das Internet hat bereits viele solcher umwälzenden Entwicklungen hinter sich. Man bedenke: Facebook und Amazon waren auch einmal Zwerge, denen kaum jemand Beachtung schenkte. Mark Zuckerbergs Namen kannte im Jahr 2000 noch so gut wie niemand, heute zählt er zu den reichsten Menschen der Welt und ist weltberühmt. Politiker wie Donald Trump und der Milliardär Stephen Ross wurden ebenfalls nicht wohlhabend geboren, sondern waren zuvor erfolgreiche Unternehmer. Damit gehören Trump und Ross einer illustren Gruppe von Unternehmern an, in der auch Steve Wynn und Kirk Kerkorian bekannt sind. Jeder von ihnen ist oder war populärer Investor im Immobilien- und Casinobereich, erzielte große Erfolge und sammelte ungeheuren Reichtum an.

Ein neues Verständnis von Mobilität und digitaler Geschwindigkeit

2018 gelang es 81 Start-ups, den sogenannten Unicorn-Status zu erreichen: Ihr Wert steigerte sich auf mindestens eine Milliarde Dollar. Uber gehörte nicht nur zu diesen Kraftpaketen, sondern führte die Liste mit 63 Milliarden Dollar an. Weltweit hat dieses Unternehmen für ein neues Verständnis von Mobilität gesorgt. "Teilen gegen Geld" heißt die Devise, so muss niemand mehr unbedingt ein eigenes Kraftfahrzeug besitzen, um ohne öffentliche Verkehrsmittel kostengünstig von A nach B zu gelangen. Auch Cambricon stieg damals wie ein Stern am Himmel auf: Das Unternehmen liefert neuartige Computerchips mit intelligenten Prozessoren, die vor allem in den Smartphones von Huawei verbaut werden. Der Notebook-Produzent Lenovo profitiert ebenfalls von der Cambricon-KI, die die Geräte leistungsfähiger macht. Das bedeutet aber auch einen kräftigen Dämpfer für den bisher dominierenden Konzern Nvidia, die digitale Industrie verlagert sich zunehmend nach China.

So mischte ein 18-jähriger Inder das Hotelgewerbe auf

Wieder raus aus der virtuellen Welt und hinein in die analoge Dimension: Das in Indien ansässige Start-up Oyo setzt ganz auf ultrabillige Übernachtungen, ist aber selbst schon viele Milliarden Dollar wert. Oyo gibt es längst auch in vielen anderen Ländern, zum Beispiel in Singapur, Indonesien, den Emiraten und Großbritannien. Zugute kommt der Service dieser Firma auch den Deutschen, zumindest dann, wenn sie gern so günstig wie möglich reisen. Tausende Billighotels warten in vielen Ländern der Erde darauf, für kleines Geld angemietet zu werden, der Preis geht teilweise runter bis auf kleine 12 Euro. Dafür ist allerdings auch nicht der geringste Luxus zu erwarten, eben nur ein einfacher Schlafplatz, den der Reisende immerhin ganz für sich allein hat. Bei Gründung seiner Firma war Ritesh Agarwal gerade 18 Jahr alt, jetzt ist er Eigentümer der größten Hotelkette, die Indien aufzubieten hat.

Juul sorgte für großen Wirbel auf dem Zigarettenmarkt

Die E-Zigarette tritt schon seit vielen Jahren in harte Konkurrenz zur herkömmlichen Zigarette. Die Firma Juul hat die elektrische Variante noch populärer gemacht, die Marktanteile wuchsen von Beginn an explosionsartig. Der Erfolg gründet sich hauptsächlich auf der speziellen Nikotin-Mischung, die aus den natürlichen Salzen dieser Substanz besteht. Sie entfaltet eine stärkere Wirkung, liegt aber trotzdem preislich meist unter der Konkurrenz. Außerdem bietet Juul eine große Auswahl an Geschmacksrichtungen an, weit entfernt vom immer gleichen "Rauch"-Geschmack der regulären Zigarette. Als besonders beliebt gilt die Variante "Mango". Die beiden Produktdesigner Adam Bowen und James Monsees, die hinter diesem Unternehmen stecken, haben ohne Frage eine ganze Branche in Aufruhr versetzt. Auch kräftige Kritik hagelte es, die dazu führte, dass die Firma ihre Werbung auf Facebook und Instagram einstellte. Doch finanziell ist und bleibt Juul noch immer ein großer Erfolg.


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Erhebliche Machtverschiebungen durch Start-ups möglich

Wir sehen: Nicht ohne Grund ziehen junge Unternehmen und innovative Ideen Tag für Tag viel Aufmerksamkeit auf sich. In vielen Start-ups steckt das Potenzial, den Markt ordentlich in Bewegung zu bringen und damit für ganz neue Verhältnisse zu sorgen. Etablierte Firmen neigen dazu, vielversprechende Newcomer aufzukaufen oder sich zumindest Anteile daran zu sichern, um ihre Pfründe zu sichern. Wo das nicht funktioniert, hat es schon erhebliche Machtverschiebungen gegeben.

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