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Welche Auswirkungen hat die Amtseinführung von Joe Biden auf den DAX?

Ein Gastbeitrag von Thomas Meyer

Der neue US-amerikanische Präsident Joe Biden hat das Amt übernommen. Die Hochstimmung unter den Gegnern seines umstrittenen Amtsvorgängers Donald Trump, der bis zuletzt mit allen Mitteln um den Machterhalt gekämpft hatte, hat sich auch auf den Börsenmarkt übertragen.

Dabei galt der Republikaner Donald Trump, der 2017 als Reality-Show-Star und selbsterklärtes Geschäftsgenie ins Weiße Haus eingezogen war, lange Zeit als Liebling der Wall Street. Seine kräftigen Steuererleichterungen für Unternehmer und der Abbau von Regulierungen und Verbraucherschutzmaßnahmen hatten lange Zeit die Kurse in die Höhe steigen lassen. Allerdings hat die Unberechenbarkeit des inzwischen ehemaligen Präsidenten, der außer bei diversen mit Zöllen geführten Handelskriegen wenig Kontinuität in seiner Politik aufwies, auch die Aktienmärkte irgendwann gegen sich gestimmt.

Von Joe Biden, der als Vizepräsident unter Barack Obama für Politiker und Wirtschaftsexperten zu bekannter Größe geworden ist, versprechen sich die Märkte zwar keine Steuererleichterungen für die Reichen, aber dafür eine durchdachte, stabile Politik. Unterstützt wird die Hoffnung durch die Machtübernahme im Senat, in der Demokraten und Republikaner zwar jeweils über 50 Sitze verfügen, die entscheidende Stimme aber Vizepräsidentin Kamala Harris zukommt.

Obwohl fraglich ist, wie hoch das von den Republikanern ungeliebte nächste Pandemie-Hilfspaket ausfällt, zeichnen sich auch im DAX die Wirtschaftszweige und Wertpapiere ab, die auf dem Aktienmarkt zu den Gewinnern von Bidens Politik gehören werden.

Zu den Aktien, die sich zu kaufen lohnen, gehören grüne Wertpapiere. Der Klimaschutz und erneuerbare Energien liegen dem Demokraten im Gegensatz zu seinem Vorgänger, welcher auf Kohle und Erdöl setzt, sehr am Herzen. Das macht sich auch beim Kurs von Aktien des Elektroauto-Herstellers Tesla bemerkbar. Seit der Wahl am 3. November in den USA und des wenige Tage später verkündeten Sieges von Präsident Biden hat sich der Kurs von knapp 421 US-Dollar auf rund 846 US-Dollar mehr als verdoppelt. Experten gehen davon aus, dass aufgrund der gewaltig gestiegenen Nachfrage nach Elektroautos und dem in der EU für einen nicht allzu fernen Termin angekündigten Aus für Benzin- und Dieselfahrzeuge Tesla weiterhin zu den vielversprechendsten Anlagen gehören wird.

Überhaupt bekommen Investitionen in erneuerbare Energien unter Biden, der als eine seiner ersten Amtshandlungen den Wiedereinstieg ins Pariser Klimaabkommen angeschoben hat, neuen Rückenwind. Ökostromanbieter und Solaranlagenhersteller gehören ebenfalls zu den potenziellen Gewinnern.

Profitieren wird Voraussagen zufolge auch die Gesundheitsbranche, vor allem in der Herstellung von neuen Medikamenten und medizinischen Geräten, aber auch Cannabis-Aktien sind begehrt. Aktien von „Big Tech“ gehören seit Bidens Sieg ebenfalls zu den Gewinnern, weil nicht erwartet wird, dass er ebenso gegen Konzerne wie Apple und Amazon wüten wird wie sein Vorgänger.

Gefallen ist hingegen der Goldpreis. Das Edelmetall, das als beste Anlage in volatilen Zeiten gilt, verzeichnet seit dem Machtwechsel in den USA eine geringere Nachfrage.

Obwohl US-Präsidenten auf einzelne Aktien und die Börse nicht allzu viel Einfluss haben, ist die Auswirkung des jeweiligen Amtsinhabers dennoch nicht zu unterschätzen. Zwar können sich die Politik und die Details in Verträgen, Abkommen und Abstimmungen in letzter Minute ändern und tun dies häufig auch, um die notwendigen Stimmen zusammen zu bekommen, doch schätzen die Wertpapiermärkte nichts so sehr wie Stabilität. Voraussagen lassen sich nur dann vernünftig treffen, wenn sie auf Fakten basieren, die nicht ständig angegriffen werden. Kontraproduktiv ist es auch, wenn ein Unternehmen durch 280 Zeichen auf Twitter plötzlich in den Negativschlagzeilen landet.

Seit der Amtseinführung von Biden, die unter rigorosen Sicherheitsmaßnahmen stattfand, ist der Dax stabil geblieben, und der Abwärtstrend unter Trump ist gestoppt. Auch der Dow Jones hat seit dem 20. Januar leicht zugelegt. Wenn auch die riesigen Sprünge und Abstürze wie unter Trump künftig nicht mehr erwartet werden, so sind die Experten darüber alles andere als betrübt. Drama wird auf den Aktienmärkten aus gutem Grund nicht geliebt.

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